Nach "Sojus"-Fehler Russland will schnell wieder starten. Aber klappt das?

Wann gibt es nach dem "Sojus"-Fehlstart wieder Flüge zur Internationalen Raumstation? In Russland verspricht man schnelle Starts - aber die Aufklärung wird dauern. Immerhin gibt es eine erste Theorie.

Roskosmos-Chef Dmitrij Rogosin
Yuri Kochetkov / Pool via REUTERS

Roskosmos-Chef Dmitrij Rogosin


Nach dem Fehlstart einer "Sojus"-Rakete bemüht sich Russland, die Lücke bei bemannten Flügen zur Internationalen Raumstation (ISS) nicht zu groß werden zu lassen. Bei der Suche nach der Unfallursache seien Ergebnisse bis zum 20. Oktober zu erwarten, sagte Sergej Krikaljow von der Raumfahrtbehörde Roskosmos. "Wir werden versuchen, den Start der nächsten Besatzung möglichst vorzuziehen", so der Ex-Kosmonaut.

Der Ausfall einer Rakete dürfte auch Auswirkungen auf die Mission des deutschen Astronauten Alexander Gerst haben, des derzeitigen ISS-Kommandanten. Er ist zusammen mit seinen Kollegen Serena Aunon-Chancellor (USA) und Sergeij Prokopjew (Russland) im All. Die drei sollten eigentlich im Dezember zur Erde zurückkehren. Es könnte sein, dass sich ihr Heimflug wegen des Fehlstarts verzögert - weil ihr Raumschiff aber sozusagen ein Mindesthaltbarkeitsdatum hat, lässt sich der Termin nicht allzu lange herausschieben.

"Die Jungs werden auf alle Fälle fliegen"

Solange die Besatzung nur zu dritt ist, ist sie vor allem damit beschäftigt, die Raumstation am Laufen zu halten. Doch wann können Gerst und seine Kollegen mit Verstärkung rechnen? Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf nicht genannte Quellen in der russischen Raumfahrt, ein nächster bemannter Start könnte Ende November erfolgen. Diese Angabe dürfte aber wohl - freundlich ausgedrückt - mit Vorsicht zu genießen sein. Womöglich ist sie deutlich zu optimistisch.

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Sojus-Notlandung: Bange Minuten

Untersuchungen nach Problemen in der Raumfahrt dauern oft deutlich länger. Und erst nach Abschluss der Untersuchungen kann die "Sojus" wieder zertifiziert werden - und dann wieder fliegen. Neben Russland müssen auch die USA davon überzeugt sein, dass es bei einem neuen Start nicht zu Problemen kommt. Außerdem laufen auch strafrechtliche Ermittlungen in Russland.

Deswegen ist es durchaus möglich, dass Gerst und seine beiden Kollegen zur Erde zurückfliegen müssen, bevor eine neue Crew die Raumstation erreicht. Vorerst sind jedenfalls alle bemannten Missionen ausgesetzt: Schuld waren die Schwierigkeiten, die am Donnerstag bei der Mission "Sojus MS-10" aufgetreten waren: Die Rakete hatte kurz nach dem Abheben vom Weltraumbahnhof Baikonur technische Probleme.Lesen Sie hier Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem Vorfall.

Die Raumfahrer Alexej Owtschinin (Russland) und Nick Hague (USA) erreichten die Umlaufbahn nicht und absolvierten stattdessen eine Notlandung. Beide Männer überstanden das körperlich anstrengende Manöver und kamen rund 400 Kilometer nordöstlich des Startplatzes wieder am Boden an. Wenig später wurden sie von Rettungskräften zuerst versorgt und dann ausgeflogen.

Video: "Sojus"-Rakete muss notlanden

Die beiden Raumfahrer sollten nun im Frühjahr 2019 zur ISS starten, schrieb Roskosmos-Chef Dmitrij Rogosin auf Twitter: "Die Jungs werden auf alle Fälle fliegen." Owtschinin und Hague kehrten am Freitag von Baikonur in das russische Raumfahrtzentrum Sternenstädtchen bei Moskau zurück.

Suchmannschaften fanden unterdessen abgestürzte Raketenteile in der Steppe von Kasachstan. Die Trümmer hätten niemanden verletzt, sagte ein Vertreter des kasachischen Zivilschutzes. Der Fundort liege 40 Kilometer von der Stadt Dscheskasgan entfernt. Als Auslöser des Unfalls vermutete Roskosmos-Experte Krikaljow einen der vier Schubtanks (Booster), die an der untersten Raketenstufe angebracht sind und nach dem Leerbrennen abgesprengt werden. Der Booster sei mit der zweituntersten Stufe zusammengestoßen, sagte er Interfax zufolge.

chs/dpa

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