Young-Money-Blog Warum Immobilien und Gold keine guten Geldanlagen sind

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Kaum ein Finanzthema begeistert meinen Bekanntenkreis so sehr wie Immobilien. Selbst die Leute, die sich nicht gern mit Geldanlage beschäftigen, fragen mich immer wieder, ob es nicht doch eine gute Idee wäre, das mühsam Ersparte in eine Wohnung oder in ein Haus zu stecken.

Denn inzwischen hat wirklich jeder mitbekommen, dass Häuserpreise und Mieten in den deutschen Großstädten seit Jahren stark steigen. Kürzlich war ich auf einer WG-Party, da wurde die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der mit einem Immobilieninvestment reich wurde. Er hatte sich Geld von seiner Oma geliehen, damit ein heruntergekommenes Mehrfamilienhaus in Berlin gekauft, es saniert und nur wenige Jahre später für das Mehrfache des Kaufpreises verkauft. Solche Geschichten vom schnellen Reichtum befeuern den Boom natürlich. Da will man auch als Privatanleger dabei sein.

Doch das ist selten eine gute Idee.

Trotz des wahnwitzigen Immobilienbooms sollten gerade junge Anleger grundsätzlich die Finger von Immobilien lassen. Für den persönlichen Lebensplan kann es natürlich sinnvoll sein, für ein eigenes Haus zu sparen und dann darin zu wohnen. Unter den richtigen Umständen kann es auf Dauer günstiger sein, sich eine Wohnung zu kaufen, als zur Miete zu wohnen. Aber als reine Geldanlage eignen sich Immobilien für den Normalverbraucher einfach nicht.

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Zum einen ist es extrem riskant, sein ganzes Geld auf nur eine Immobilie zu setzen. Denn ob der Preis eines Hauses steigt, hängt zum Beispiel davon ab, wie sich die Kreditzinsen oder die Nachfrage nach Wohnraum in einer Stadt entwickeln. Das sind Faktoren, die selbst Profis kaum vorhersagen können. Die Wette kann aufgehen, oder eben nicht. Anleger setzen sich in so einem Fall einem extremen Klumpenrisiko aus, wenn sie den Großteil ihres Vermögens in nur einem Objekt bündeln.

Jeder, der sich auch nur ein bisschen mit Geldanlage beschäftigt, weiß, dass es eine dumme Idee ist, sein Geld auf nur eine Wette zu setzen. Das ist bei Aktien nicht anders: Niemand würde sein ganzes Geld in nur ein Unternehmen investieren, weil das viel zu riskant ist.

Zudem entstehen bei Immobilien für den Anleger hohe Unterhaltungs- und Reparaturkosten, die die Rendite schmälern. Und für junge Anleger kommt erschwerend hinzu, dass das in eine Immobilie investierte Geld erst einmal weg ist. Anleger kommen nicht mal ebenso an ihr Geld heran, wenn sie es doch für eine Anschaffung brauchen.

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    Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 27 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fonds-Anteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Nun könnte man entgegnen, dass Anleger das Geld ja auch in einen Immobilienfonds stecken könnten, bei dem Fondsmanager das Geld der Anleger über eine Vielzahl von Immobilien streuen. Damit wäre das Risiko gesenkt, und Anleger könnten ihre Fondsanteile jederzeit wieder verkaufen. Aber auch diese Form der Immobilienanlage ergibt für Privatanleger wenig Sinn.

Erstens sind diese Fonds sehr teuer und verschlingen hohe Gebühren. Noch viel wichtiger ist aber zweitens: Langfristig schneiden Immobilien bei der Rendite miserabel ab. Wissenschaftler der London Business School haben sich für die Schweizer Großbank Credit Suisse die Wertentwicklung von verschiedenen Anlageklassen in elf großen Ländern seit 1900 angesehen. Das Ergebnis: Nach Abzug aller Kosten erzielten Immobilien in diesem extrem langen Zeitraum eine negative Rendite von minus zwei Prozent pro Jahr. Dabei sind Mieteinnahmen zwar nicht berücksichtigt, doch die fließen bei Privatanlegern ohnehin meist in die Abbezahlung des aufgenommenen Immobilienkredits.

Aktien hingegen schnitten erheblich besser ab: Sie kamen in den vergangenen 118 Jahren auf eine durchschnittliche Rendite von 5,4 Prozent pro Jahr (inklusive Dividenden). Und das, obwohl es in dem betrachteten Zeitraum zwei Weltkriege und mehrere heftige Wirtschaftskrisen gab.

Es gibt viele weitere Langzeitstudien, die zum Ergebnis kommen, dass Aktien auf lange Sicht alle anderen Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien und Rohstoffe mit Abstand schlagen.

Auch Gold macht im Depot wenig Sinn

Aus diesem Grund sollten junge Anleger auch auf Gold im Depot weitgehend verzichten. Real, also nach Abzug der Inflation, betrug die Rendite von Gold seit 1900 mickrige ein Prozent pro Jahr. Der langfristige Ertrag des Edelmetalls liegt damit sogar noch unter dem von kurzfristigen Einlagen wie Sparbücher. Denn Gold verzinst sich nun mal nicht.

Natürlich ist Gold weiter ein Instrument, um sich gegen Schreckensszenarien abzusichern. Gehen wir von einem Weltkrieg oder einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft aus, könnte das Edelmetall zur Wertaufbewahrung und womöglich auch als Zahlungsmittel wichtig werden - wenn das klassische Geld wertlos wird. Dann gehören diejenigen, die sich Gold in den Tresor gelegt haben, zu den Gewinnern. Auch Immobilieninvestoren stehen dann womöglich gut da, denn sie haben immerhin einen realen Wert.

Man könnte also sagen, dass solche Investments nichts anderes sind als eine Wette darauf, dass sich die Lage an der Weltwirtschaft verdüstern wird. Ähnlich wie bei einer Versicherung. Sie zahlt sich für den Kunden nur aus, wenn der Schadensfall eintritt.

Einige Vermögensplaner empfehlen deshalb, einen kleinen Teil des Vermögens in Gold zu investieren - als Absicherung für schlechte Zeiten. Machen Sie das gern, wenn Sie dann besser schlafen können. Ich würde aber davon abraten, den Großteil des Geldes in Gold und in Immobilien zu stecken und davon zu träumen, damit reich zu werden.

Ein Banker der Royal Bank of Scotland drückte es einmal so aus: "Ich wünsche Ihnen, dass Gold nie Ihr bestes Investment ist - denn dann haben wir alle ganz andere Probleme."

Für junge Anleger ist die langfristige Anlagestrategie also relativ simpel: Je nach Risikogewichtung verteilt man sein Geld auf risikoreiche, renditestarke Aktien und behält eine Reserve auf dem Tagesgeld- oder Festgeldkonto (wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier).

Beim Aktienanteil wiederum streut man sein Geld mithilfe von günstigen Indexfonds über Tausende Aktien aus der ganzen Welt für oft nur 0,15 Prozent Gebühren im Jahr. Eine kleine Summe für historisch betrachtet fünf Prozent Rendite nach Abzug der Inflation, oder?

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insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
henry nowakowski 08.10.2018
1. Sie haben KEINE Ahnung
Wahrscheinlich empfehlen Sie nur Aktien und Fonds. Ihre gesamte Sichtweise ist durch Aktienhausse vernebelt. Der alte Grundsatz 1/4 Geld 1:4 Gold 1/4 Immobilien und 1/4 Aktien war noch immer richtig. Aber Sie wollen den Leuten etwas verkaufen zB Abonnement Ihrrr Seite. Und zu Gold Im Kriegt bekamen Menschen für Gold etwas zu essen und für Aktien ? Immobilien können sehr wohl eine von Ihnen erfundene Minusrendite haben , wenn Sie die Mieteinnahmen oder die Gewinne durch nicht bezahlte Miete Außer Acht lassen . Fazit der Autor macht nur Werbung für sich und seine Produkte
zia-zaruba 08.10.2018
2. wer kauft schon etwas,
dessen Wert NUR NOCH sinken kann ? Da nützt es gar nichts zu sagen, mein Grundstück oder mein Gold ist Super viel Wert. KeineR wird es nehmen, sondern abwarten, bis es am Boden ist.
unpolit 08.10.2018
3. Einseitige Darstellung
Wer in Aktien investiert riskiert auch, eine Zeit lang nicht an sein Geld zu kommen, zumindest nicht ohne Verluste. Sicher macht es wenig Sinn, als junger Einzelkämpfe eine Immobilie (auch noch auf Pump) zu kaufen. Ja, da ist das Risiko zu groß. Aber: was wäre, wenn sich ein paar Gleichgesinnte zusammen tun, eine Genossenschaft gründen und dann ein MFH erwerben. Und gemeinsam sanieren. Diese Leistung der Planung und Mithilfe (Abbrechen, Schlitze stemmen, Boden verlegen, Tapezieren, etc) rechnen sich (Fachgewerke sind natürlich zu beauftragen) und schaffen Mehrwert. Und ob sich so ein Projekt rechnen kann - eine Garantie gibt es da sicher nicht - das lässt sich aber gut abschätzen. Wir haben viele Gegenden, wo wir prosperierende Wirtschaft und weiterführende Bildungseinrichtungen haben. Mit mindestens stabiler, eher steigender Bevölkerung. Funktioniert sicher kaum in München, Frankfurt oder Hamburg. Oder strukturschwachen Bundesländern. Aber da haben die Youngsters auch selten das Problem, Gelder anlegen zu müssen.
impeerator 08.10.2018
4. Unsauberer Vergleich
Wie man bei einer Betrachtung der Rendite von Immobilien die Mieteinnahmen weglassen kann, ist mir ein Rätsel. Woher soll die Rendite denn kommen? Allein durch den Wertzuwachs? Das kann natürlich nix werden, denn auch Immobilien verlieren mit dem Alter an Wert, wenn man nicht ständig wieder Geld reinsteckt, um sie instandzuhalten. Bei den Aktien werden hingegen die Dividenden mit einbezogen, und deren Rendite wird dann mit Immobilien ohne Mieteinnahmen verglichen. Da ist es doch wirklich sinnvoller, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Merkt der Autor nicht, dass dieser Vergleich Unsinn ist, oder möchte er bewusst die Aktien schöner rechnen? Diese Fragen drängen sich mir beim Lesen des Artikels auf...
Rincewind 08.10.2018
5. Was für eine seltsame Berechnung....
...wo bei Immobilien die Mieteinnahmen nicht mitgerechnet werden! Das ist ungefähr das Gleiche, wie bei einer Festgeldanlage die Zinsen nicht einzurechen. Oder bei dem Vergleich mit Aktien dann auch die Dividenden nicht einzurechnen. Selbstverständlich ist bei einer Immobilie die Rendite negativ, weil das Haus ja auch renoviert werden muss. Man muss aber die eingesparte oder eingenommene Miete gegenrechnen!
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